Wann ist ein Mann ein Vater?

“Das wäre mal was, das Sie tun könnten”, sagt Frau Kublischek auf Seite 47. Damit bringt sie deutlich das Dilemma werdender Väter auf den Punkt: Sie sind schlicht unnütz. Und davon handelt er, John von Düffels Roman „Beste Jahre“: Vom Vatersein, bevor man(n) Vater ist, und der damit verbundenen Tatsache und den Schuldgefühlen, dass Schwangersein eine reine Muttersache ist.

Ein Baby! Ist das ein Grund zur Freude? Für das Schauspielerpärchen auf jeden Fall, denn obwohl sie nie recht wussten, ob sie einmal Eltern sein wollten, hatten sie sich schließlich dafür entschieden. Die Einsicht kam, als sie in ihre Hamburger Wohnung zogen. Da war es im Grundriss eingezeichnet: Das Kinderzimmer. Und egal, was sie sich für diesen Raum anderes einfallen ließen, es blieb doch immer ein Kinderzimmer und still wurde in ihnen der Wunsch lebendig, dieses Zimmer mit Leben zu füllen. Da haben sie die 40 bereits überschritten und zeugen – in einem Alter, in dem andere Menschen bereits Großeltern sind – ein Kind. Das nennen sie vorläufig und in ängstlicher Voraussicht “Obsklappt”.

Als Lisa im vierten Monat schwanger ist, taucht ein alter Freund des Mannes auf, der sein Leben durcheinander wirbelt. Plötzlich findet er sich in der Vergangenheit wieder, durchlebt die erste Zeit als Schauspieler neu und erinnert sich an eine vergangene Liebesgeschichte, an Doreen. Die Doreen-Affaire hatte er sich zusammen mit seinem ehemaligen Freund ausgemalt, aber mehr als ein Phantasiegespinst wurde es nie. Für ihn… Heute sieht er sich mit der Vergangenheit ganz anders konfrontiert: Welche Wichtigkeit kam Doreen überhaupt zu? Im Rückblick, so scheint es bei von Düffel, schien die Frau kaum mehr als ein Nebenschauplatz der Freundschaft oder gar Liebe zwischen den beiden Männern zu sein.

“Beste Jahre” fokussiert wichtige Fragen unserer Zeit: Verurteilen wir Menschen als “kinderlose und verantwortungslose Doppelverdiener”, weil sie keine Eltern werden? Betrachten wir mit dem ersten Kind Schwangere als blutige Anfänger, denen wir mit unserer Lebenserfahrung weiterhelfen müssen? Warum sollte man überhaupt ein Kind bekommen, wenn man sich doch selbst völlig genügt? Das ist aktuelle Familienpolitik. Aber auch die deutsche Vergangenheit wird ins Gespräch gebracht. Er als Wessi fühlte sich damals wie im Land der “unbegrenzten Unmöglichkeiten”. Es heißt: “Sie [die Wessis] waren das Volk, wir der Erfolg”.

Die Grundfrage “Wann ist ein Mann ein Vater?” lässt John von Düffel zwar offen, indem er die komplette Geschichte VOR der Geburt ansiedelt, doch ermöglicht er einen Einblick in den Kopf des werdenden Vaters, den frau ähnlich gut durchdacht und formuliert kaum anderswo finden wird. Wie soll ich es anders ausdrücken? John von Düffel schreibt wundervoll! Die Schwangerschaft der beiden Schauspieler schlängelt sich von Seite zu Seite ohne an Spannung zu verlieren. Die Weltsicht des Vaters verändert sich komplett. Junge Mädchen könnten seine Töchter sein. Rauchende Frauen beäugt er skeptisch, weil sie ihre Gebärfähigkeit gefärden.

Vaterwerden spielt sich im Kopf ab.

1924 in Berlin: Hotel Savoy

Gabriel Dan ist Heimkehrer und Beobachter. Nach der Kriegsgefangenschaft möchte er in seine Heimat zurück, legt aber in Berlin einen Zwischenstopp ein im Hotel Savoy, dessen Bewohner er nach und nach näher kennen lernt.

Joseph Roth schrieb seinen Roman 1924 und spiegelt in sieben Hoteletagen die Welt in ihrer Gesamtheit wider: Erstklassig sind die unteren Etagen, die oberen Stockwerke sind den ärmeren Gesellschaftsschichten reserviert, zu denen auch Gabriel Dan zählt. Nach der Kriegsgefangenschaft muss er neue Orientierung im Leben finden, die es kaum zu finden gibt… Wird ihm der Hotel-Aufenthalt eine Hilfe sein?

Das Interessanteste am Roman stellen die Figuren dar: Da wären die schöne Stasia, in die sich Gabriel Dan direkt verliebt, und sein Cousin Alexanderl, der Stasia ebenfalls den Hof macht, der Liftboy Ignatz, der Clown Santschin, ein Mann namens Hirsch Fisch, Kaleguropulos und noch viele andere. Ja,das Hotel ist voll, das Hotel lebt! Aber gut ist es um die Menschen nicht bestellt… Sie alle warten auf den Hoffnungsträger Henry Bloomfield aus Amerika, der sie aus ihrem Elend befreien soll.

Ob der reiche Amerikaner wirklich das Glück bringen wird? Wer ist er überhaupt? Und warum verschenkt er sein Geld an die Berliner? Joseph Roths Erzählung ist auf ihren 127 Seiten durchweg unterhaltsam. Insbesondere für Berliner.

Das vorgezeichnete Schicksal der Emma Bovary

„Madame Bovary“ ist ein so hochgelobter Roman – für manche Menschen sogar der Roman schlechthin – das es nur eine Frage der Zeit war, bis er unter meinen Büchern zu finden sein würde. Und nun habe ich ihn gelesen: 511 Seiten Flaubert … Und ich bin begeistert!

Ursprünglich war es mein Freund, der sein Interesse auf Gustave Flauberts Roman „Madame Bovary“ richtete. Da er (wie ich) kein Französisch spricht, musste eine Übersetzung herhalten, doch das Internet konnte keine genaue Auskunft über die beste Übersetzung geben. So bestellte mein Freund zwei Bücher, las ein paar Seiten von jedem und entschied sich für eins. Ich erhielt das andere – So kann man also auch in den Genuss solch hoher Literatur kommen: Durch Zufall.

Sie träumt von der großen Leidenschaft

Bei Madame Bovary scheint jedoch nichts dem Zufall überlassen, das Schicksal zeichnet ihren Weg. Die schöne Frau wird von einem Arzt geheiratet, von dem sie sich Leidenschaft und Liebesglück verspricht, so wie sie es aus Romanen kennt. Die Ehe sieht anders aus. Ihr Mann hat kein Gefühl für die schönen Dinge des Lebens – weder für Materielles noch für Poetisches. Doch in der jungen Frau sprudelt das Leben und das Verlangen nach Leidenschaft! Sie findet zwei Ventile: Zum einen erkauft sie sich Glück in Form von schönen Kleidern und hübschen Haushaltsartikeln, sodass sie sich und ihren Mann in einen Berg aus Schulden stürzt, zum zweiten sucht sie Liebe bei anderen Männern: Da ist Léon, der zunächst zu schüchtern ist, ihr den Hof zu machen, obwohl er Madame Bovary überaus anziehend findet. Und zum anderen bietet sich Rodolphe an, der ihre Sucht nach Leidenschaft sofort erkennt und für sich ausnutzt: Er beginnt eine Affaire mit Emma Bovary. Wird sie damit glücklich?

Für Liebhaber wohlklingender Worte

Gustave Flaubert schreibt diese Geschichte in so geschmackvollen Worten, das man schon nur um ihrer Willen der Geschichte lauschen mag. Ich liebe das Werk. Es ist heute noch genauso bewegend wie zu seiner Erstveröffentlichung 1856.

Mädchenfänger

Julliane Hoffman hat einen überaus lesenswerten Thriller geschrieben, der von Seite zu Seite an Spannung gewinnt. Besonders die Verbindungen der Kapitel sind so aufregend, dass es schwer fällt, den Lesefluss zu unterbrechen. Egal! Eigentlich lesen wir doch gern unsere Nächte durch, oder?

Die Handlung ist so einfach wie schrecklich: Die zwölfjährige Lainey chattet im Internet mit einem älteren Jungen, der sie zu einem Date ins Kino einläd. Aus Unvorsicht lässt sie sich auf das Treffen ein, ist gleichzeitig geschmeichelt aber auch skeptisch. Wird der Typ kommen? Oder lässt er sie sitzen? Zweiteres wäre ihr so peinlich, dass sie niemanden über das Vorhaben informiert – Falls alles gut geht, wird sie im Nachhinein ihren Freundinnen davon berichten.
Doch es geschieht, was geschehen muss: Der 17jährige Schüler entpuppt sich als erwachsener Mann, als „Mädchenfänger“ und die kleine Lainey wird auf grausame Weise sein neustes Souvenier…

Jetzt kommt Agent Bob Dees ins (mörderische) Spiel. Er wird mit dem Fall der verschwundenen Lainey betraut, obwohl vor einem Jahr seine eigene Tochter Katy verschwand und nicht wieder auftauchte. Wird seine Ehe diesen Fall überstehen, der so eng mit dem eigenen Schicksal verwoben ist?

Für diesen Nervenkitzel hebe ich beide Daumen hoch!

Das habe ich im Koma gedichtet

Liebe Leser, wenn Sie bis heute die Überzeugung in sich trugen, ein Verlag sei ein bunter Haufen kreativer Köpfe mit dem Hang zu neuer, spannender Literatur, dann belehrt sie und mich „Das habe ich im Koma gedichtet“ eines besseren.

Die Idee dieses Buches ist zunächst simpel: Rolf Cyriax und Peter Wichmann stellen witzige und abstruse Briefe zusammen, die Ihnen im Laufe ihrer Jahre in die Hände kamen. Die Auszüge im Klappentext versprechen viel: „Mein Meister, Johann Wolfgang von Goethe, erkor mich früh zum Schüler sich und mir ward aufgetragen Liebe (Wahrheit) fühlend zu dichten…“ Einband drum. Buch fertig.

Wie kommt es nun zu meinem oben ausgesprochenen Urteil?

Zwischen den kuriosen Briefen der „Autoren“ schmieren Cyriax und Wichmann ihre eigene Meinung dazwischen. In sarkastischer Art belächeln sie die Autoren, führen sie vor und geben so dem Buch einen ekligen Beigeschmack. Sollten kreative Köpfe nicht offen sein für neue Ideen (und Spinner)?
Ein Verlag kann unmöglich alle Manuskripte, die ihm dargeboten werden, verlegen. Das sieht wohl jeder ein, denn auf dem Markt gibt es eine Nachfrage, die befriedigt werden will und da verkaufen sich unbekannte Autoren mit merkwürdigen Texten schlecht. Statt zu bedauern, dass einige Autoren keine Chance auf dem Buchmarkt bekommen, scheinen sich die beiden Verleger jedoch zu freuen: „Aber das wir sein Geschwurbel ablehnen würden, das wusste er offensichtlich nicht. 1:0 für uns!“

Die Idee des Buches hatte Potenzial. Stilblüten sind schließlich lustig und unterhaltsam. Doch ihr Geschwurbel zwischen den Blüten hätten sich die Verleger besser gespart.

Blau steht dir nicht

Judith Schalanskys Roman stürzt mich in Verwirrung. Ich soll beim Lesen tauchen, tief eintauchen in eine Geschichte, deren Essenz auf dem Meeresboden zu finden ist. Ein Matrosenroman, so prophezeit schon der Titel.

Jenny, die Protagonistin, ist zunächst als Kind auf Besuch bei den Großeltern und später dann verbringt sie hier als junge Frau ihren Urlaub. Da leben Oma und Opa nämlich: „da, wo andere Urlaub machen.“ An der Ostsee.
Die Texte aus Vergangenheit und Zukunft wechseln einander regelmäßig ab und bieten Einblicke in unterschiedliche Zeiten: DDR und Gegenwart. Kindheit und Erwachsensein. Dabei ist die Kindheit der angenehme Leseteil, wenn er auch mit zunehmender Seitenzahl trauriger wird, denn Jennys Eltern trennen sich und das ist auch der Grund dafür, warum das Mädchen ihre Ferien dort verbringt. Nur weiß es nichts davon und keiner spricht die Lage offen an.

Der andere Teil, der erwachsene Teil, ließ mich stets suchen (also tauchen): Wo befinden wir uns in der Handlung? Wieso führt Schalansky gerade über Zepeline aus? … Der Klappentext kündigte bereits an: „Ein kulturhistorisch anspruchsvolles Buch mit philosophischem Tiefgang.“ Für mich ging es zu tief hinunter, aber wer Herausforderungen mag (und nicht wasserscheu ist), der versuche sich ruhig an „Blau steht dir nicht.“ Vielleicht kann man Spaß an dieser Geschichte finden, wenn man aufmerksamer liest, als ich es wohl tat, denn meine Suche stellte sich als vergebens heraus.

Neues vom Dschungelkind

Ihr Eltern erforschten den Stamm der Faju in Westpapua und lebten mit ihnen zusammen. So wuchs Sabine Kuegler im Dschungel auf. Von ihren Kindheits-Erlebnissen berichtete sie bereits in dem 2005 erschienen Roman „Dschungelkind“, der die Grundlage für den gleich- namigen, 2011 erschienen Kinofilm bildet, und in der Fortsetzung „Ruf des Dschungels“ begab sich die junge Frau auf eine Selbstsuche, die sie zurück zu ihren Wurzeln führen sollte. 2009 erschien schließlich der dritte Roman: „Jägerin und Gejagte“.

In den ersten beiden Büchern führte uns Sabine Kuegler in die Welt des Dschungels ein, der ihre Wurzeln ausbildete und dem sie sich auch heute fern im Westen nicht entziehen kann. Doch wie erging es ihr, dem Dschungelkind, nachher in der westlichen Welt? Mit unglaublicher Offenheit berichtet Sabine Kuegler, was sie seit dem 15. Lebensjahr, als sie Westpapua verließ, erlebte. Dabei reiht sie nicht etwa nur Erlebnisse aneinander, sie reflektiert sich selbst sehr ehrlich und behält immer ihre Leser im Blick. Sie macht deutlich: Hier wird nicht nur eine Geschichte erzählt. Es geht vorallem um das Verständnis: Der Leser soll diese Geschichte nachvollziehen  können.

Das gelingt. Aber gerade deshalb ist „Jägerin und Gejagte“ auch ein besonders trauriges Buch. Frau Kuegler verlor in der westlichen Welt nicht nur immer wieder den Boden unter den Füßen, sondern auch das, was ihr am wichtigsten war: Das Sorgerecht für ihre Kinder. Trotzdem schreibt sie mit Mut und Zuversicht, rappelt sich immer wieder auf und ermutigt auch ihre Leser zur Hoffnung. So bleibt es trotz der vielen Niederschläge ein schönes und warmherziges Buch.

Der Hals der Giraffe

Frau Lohmark ist Biologielehrerin. Eine alte Biologielehrerin. In einem Ort, der seine besten DDR-Zeiten bereits hinter sich gelassen hat und wenn er durch etwas glänzt, dann nur durch seine schwachen Geburtenjahrgänge.

Die Autorin Judith Schalansky mischt in ihrem Roman einen Erzähler mit dem inneren Monolog, führt uns nah an ihre Heldin heran. Sie liefert uns einen Zeitroman, der durch die bösen, zynischen Gedanken der Heldin herrlich amüsant ist.

Was aber ist das besondere an Frau Lohmark? Diese Lehrerin unterrichtet nicht nur Biologie, sie ist Biologie – ihr ganzes Denken und Handeln verschreibt sie einer Biologie-Philosophie, insbesondere Darwin. Wobei Frau Lohmarks eigenen Gene bereits das Ende erreicht zu haben scheinen: Die einzige Tochter lebt kinderlos in den USA.

Das Ende erreicht hat auch ihre Karriere. In vier Jahren schließt das Gymnasium und eine neue Stelle an einer anderen Schule oder gar eine Umorientierung lehnt Frau Lohmark ab.

Das Ende erreicht hat auch ihre Ehe. Man lebt noch miteinander, eigentlich mehr nebeneinander, und trennt sich nur nicht, weil man zu alt für eine Trennung ist. Und dann wirren sich in Inge Lohmarks Gedanken noch unnatürliche Gefühle für eine Schülerin. Gleichgeschlechtliche Liebe widerspricht ihrer Biologie. Und dennoch…

Ein Bildungsroman. Das verspricht der Titel, aber wird es Inge Lohmark tatsächlich gelingen, diese Bildung zu erlangen? Kann ein festgefahrenes Weltbild noch geformt werden? Ein böser Roman. Ein realistischer Roman. Unbedingt lesenswert.

Elf Minuten

Sie ist jung und schön, wächst in Brasilien auf und träumt vom richtigen Leben. Maria möchte Abenteuer erleben und dabei mehr über sich selbst und die Liebe erfahren.

Paulo Coelho schreibt in Elf Minuten von einer Suche nach Liebe, indem er Maria und mit ihr seine Leser in ein Schweizer Bordell führt. Hier arbeitet die brasilianische Schönheißt schließlich, lernt nicht nur den käuflichen Sex kennen, sondern verdient auch jede Menge Geld. Davon plant sie in der Heimat eine Farm zu kaufen, wenn sie wieder zurück fliegt. Wird sie das?

Eines Tages macht sie die Bekanntschaft mit einem speziellen Freier, einem Künstler, der gerade in ihr, einer Prostituierten, ein Licht sieht. Ist Maria etwas besonderes? Wird sie das Geheimnis des Sex lüften? Des Begehrens? Und der Liebe? Oder liegt ihre Zukunft im Bordell, weil sie wie alle anderen Prostituierten der Verlockung des Geldes nicht entkommen kann? Wie stark wird Maria sein?

Kein Liebeslied

Aufregend. Mitnehmend. Bemerkenswert. Anne heißt die übergewichtige Protagonistin in Karen Duves Roman „Dies ist kein Liebeslied“, die sich auf den Weg nach London macht, um ihrer Jugendliebe Hemstedt zu begegnen.

Auf dem Flug rekapituliert Anne ihr bisheriges, verkorkstes Leben, das alles andere als schön zu nennen ist. Sie verkörpert eine schlechte Schülerin mit miesem Verhältnis zu Geschwistern und Vater. Der Mutter soll sie ähnlich sein, möchte sie aber nicht. Die putzt als unauffällige Dienstmagd hinter der Familie her, ist langweilig und außerdem keine Hilfe für die Tochter. Kompliziert gestalten sich auch Annes Männergeschichten, auf die sie sich trotz ekligem Sex und miesem Geknutsche immer wieder einlässt. Doch das schwerste Problem in ihrem Leben – im wahrsten Sinne des Wortes – stellt ihr Gewicht dar: Anne beginnt schon im Grundschulalter mit Diäten und zählt Kilos. Glück erlaubt sie sich dann, wenn sie wenig wieg, nämlich nie. Und der erste Ex-Freund begründet die Trennung von ihr auch noch mit den Worten: „Du weißt ja selber, daß du nicht so besonders aussiehst…“ Pure Bestätigung.

Karen Duve öffnet uns das Fenster zu den Gedanken einer bestürzenden Frau und erzählt dabei so authentisch und glaubwürdig, wie es fast nur Fiktion erlaubt. Im Klappentext zum Buch zitiert der Verlag die Süddeutsche Zeitung: „Hochkomisch, hochleidenschaftlich und überaus unterhaltend.“ Ich weiß nicht, an welcher Stelle ich hätte lachen sollen. Annes Geschichte ist nicht lächerlich, sondern tragischtraurig, ganz wie der Titel verspricht: Dies ist kein Liebeslied. Weder an die Männer noch an den eigenen Körper.